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Der Stoff, aus dem Fanträume sind

Auf Christoph Dickenscheids wertvollem Schatz befindet sich ein brauner Fleck. Eigentlich wäre das Baumwolltrikot des MSV Duisburg ein Fall für die Waschmaschine. Aber Dickenscheid würde es nie wagen, den Fleck zu behandeln. Schließlich hat das Trikot einst den Schweiß von Bernard „Ennatz“ Dietz aufgesogen. Die Duisburger Klublegende trug es in einem Europapokalspiel gegen Standard Lüttich. Nach dem Abpfiff tauschte der MSV-Kapitän das Trikot mit seinem Gegenspieler. Über Umwege landete es beim französischen Ex-Nationalspieler Didier Six. „Den hatte ich angeschrieben, ob er alte Trikots abzugeben hat“, erzählt Dickenscheid. „Dann erzählte er auf einmal von dem Dietz-Dress, und da musste ich natürlich zuschlagen.“

Das blau-weiße Kleidungsstück sticht in der großen Sammlung des Fußballfans hervor. 218 MSV-Trikots bewahrt Dickenscheid zuhause in einem großen Kleiderschrank auf. Sie stammen aus den vergangenen 50 Jahren und kamen in allen Wettbewerben zum Einsatz – unter anderem in der Bundesliga, im UEFA-Pokal, im DFB-Pokal und im Niederrheinpokal. Dickenscheid hat die schlichten Modelle aus den frühen 1970er- Jahren mit weiß-blauen Querstreifen. Aber auch die Duisburger Gegenwart bildet seine Sammlung ab. Nach der Jahrtausendwende ging es bei den Zebras bunter zu, die Profis liefen auch mal in neongelben oder froschgrünen Jerseys auf.

Christoph Dickenscheid inmitten seiner Trikotsammlung im "Wohnzimmer" des MSV Duisburg.

„Matchworn” ist das Zauberwort

Was die Sammlung so besonders macht, ist die Herkunft der Trikots. „Mehr als neunzig Prozent sind im Spiel oder zumindest beim Warmmachen von den Profis getragen worden“, erzählt Dickenscheid. Er rennt nicht zum Saisonstart in den Fanshop, um sich ein Trikot von der Stange zu holen. Stattdessen stöbert Dickenscheid im Internet, tauscht sich mit anderen Sammlern aus und spricht Ex-Profis an. Immer ist der Buchholzer auf der Suche nach dem besonderen Stück Stoff. Als Dickenscheid zum ersten Mal ein MSV-Spiel live sah, war er gerade einmal vier Jahre alt. Seine Mutter Brigitte nahm den Knirps mit ins Stadion. „Das war eine jämmerliche Nullnummer gegen Wattenscheid“, sagt Christoph Dickenscheid. Trotz der mauen Vorstellung ließ ihn der Verein nicht mehr los. Dickenscheid war während seiner Jugendzeit ein Allesfahrer. Er begleitete die Duisburger zu Auswärtsspielen bis nach Burghausen an der deutsch-österreichischen Grenze. „Das ist mit Frau und zwei Kindern nicht mehr drin“, sagt der 34-Jährige. Seine Heimspiel-Dauerkarte hat er allerdings immer noch.

Der erste Sponsor: Auch aus der Zeit, als der MSV für „Brian Scott“ warb, besitzt Christoph Dickenscheid Trikots.

Trikots, die man einfach haben muss

Die Sammelleidenschaft packte ihn als Erwachsener. Er hatte im Internet eine Anzeige entdeckt. Ein Fan aus Duisburg bot das erste MSV-Trikot mit einem Sponsorenlogo zum Verkauf an. In der Saison 1974/75 bewarb die Textilfirma Schroers ihre Marke „Brian Scott“ auf der Duisburger Brust. „Das wollte ich unbedingt haben“, erzählt Dickenscheid. Er fuhr nach Hamborn und nahm das Trikot in die Hand. „Das hat nach Zigarettenqualm gestunken und war auch etwas dreckig“, erzählt der Sammler. „Aber gerade das hat es so besonders gemacht.“ Dickenscheid zahlte 500 Euro – und legte nun richtig los. In seine Sammlung hat er im Laufe der Jahre einen fünfstelligen Eurobetrag gesteckt. „Andere kaufen sich teure Autos, ich leiste mir lieber original getragene Trikots“, sagt Dickenscheid, der sein Geld als Pfandleiher verdient. Er kann zu vielen der Sammlerstücke auch die passenden Geschichten erzählen. Dickenscheid greift in seinen Trikotberg und holt ein grau-schwarzes Modell raus. Auf dem Rücken prangt die Nummer 12. Torwart Thomas Gill hat das Trikot getragen, in einer der größten Partien der Duisburger Vereinsgeschichte. 1998 spielte der MSV im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München. Christoph Dickenscheid erlebte als junger Fan in Berlin, wie sein Verein vor einer Sensation stand. Die Duisburger führten lange – auch weil Gill eine grandiose Leistung zeigte. Am Ende setzte sich doch der Favorit durch. Die Bayern gewannen mit 2 :1.

„Andere kaufen teure Autos. Ich leiste mir lieber original getragene Trikots.“

Christoph Dickenscheid

„Gills Trikot habe ich viele Jahre später im Internet entdeckt“, erzählt Dickenscheid. Am Tag nach dem Finale hatte der Norweger einen Fan vor dem Teamhotel glücklich gemacht, indem er ihm seine Torwartkluft in die Hand gedrückt hatte. Mit dem damals Beschenkten nahm Dickenscheid später Kontakt auf und ergatterte seinen Traum in Grau und Schwarz. Dass Gill dieses Trikot damals im Olympiastadion tatsächlich trug, erkannte der erfahrene Sammler sofort. „Im Internet tummeln sich aber natürlich auch viele Betrüger“, sagt Dickenscheid. Die kann er aber im Nu enttarnen: Wenn ein Trikot des ehemaligen MSV-Angreifers Stefan Maierhofer in Größe S zum Verkauf steht, kann es sich schlecht um ein Original handeln. Der Österreicher misst schließlich 2,02 Meter.

Der Sammler fährt am Vizemeister-Team vorbei.

Der heilige Gral der Trikotsammlerszene

Dickenscheid möchte seine Sammlung noch erweitern. Seit Jahren sucht er ein besonderes Modell – das Heimtrikot aus der Saison 1983/84. Damals warb der MSV für die Milch von „Mr. Softy“. Für das Trikot würde Dickenscheid ein paar große Scheine hinblättern. „Das ist in der Sammlerszene der heilige Gral“, sagt er.

Einmal stand Dickenscheid kurz davor, sich seinen Traum zu erfüllen. Er hatte mit Patrick Notthoff gesprochen. Der heute 56 Jahre alte Abwehrspieler spielte ein Jahrzehnt lang für die Zebras – auch im besagten Trikot. Er hatte sich damals ein Exemplar mit nach Hause genommen. Doch Notthoff musste Dickenscheid enttäuschen: „Er hatte das Trikot zerschnitten und als Putzlappen für die Autowäsche benutzt.“

KONTAKT ZUM SAMMLER

Christoph Dickenscheid präsentiert seine Leidenschaft auf Facebook > MSV Trikots und Instagram > MSVDuisburgTrikots. Der Duisburger tauscht sich über diese Plattform auch mit anderen Sammlern aus. Wer ein besonderes Trikot verkaufen will, kann sich gerne mit ihm in Verbindung setzen.


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