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"Unsere Kunden können sich auf uns verlassen"

Seit Monaten wird davon berichtet, dass die Energiepreise steigen. Was passiert derzeit auf dem Markt?
In Deutschland erzeugen wir Strom und Wärme zu erheblichen Teilen aus Erdgas. Weil nach den weltweiten Lockdowns in der Corona-Pandemie die Konjunktur wieder stark anzieht, ist der Bedarf an Gas enorm gestiegen. Das führt zu steigenden Preisen. Zugleich ist das Angebot der Erdgas-fördernden Länder nicht in gleichem Maße wie die Nachfrage gewachsen. Das treibt den Preis weiter in die Höhe, innerhalb eines Jahres hat er sich mehr als verdreifacht. So etwas hat es in dieser Form noch nie gegeben.

Was bedeutet das für den Endverbraucher?
Ganz oft bedeutet das leider, dass die Preise steigen. Wir sehen, dass einige Unternehmen keine Kunden mehr annehmen oder sogar die Belieferung von Kunden eingestellt haben. Wem das in Duisburg passiert, der muss sich keine Sorgen machen, da wir ihn als Grundversorger automatisch weiter beliefern.

Müssen sich die Kunden der Stadtwerke Duisburg auch Sorgen machen?
Nein. Wir kaufen die notwendigen Mengen durch unseren eigenen Energiehandel sehr frühzeitig ein und sichern uns damit im Voraus ein stabiles Preisniveau. Dadurch können wir solche Preis-Turbulenzen an den Märkten etwas abfedern.

Die Preise bei den Stadtwerken bleiben also unverändert?
Noch besser: Wir werden den Strompreis zum 1. Januar sogar senken. Leider gilt das nicht für Gaspreis. Hier ist die Entwicklung am Markt so extrem, dass auch wir die Preise leicht erhöhen müssen.

"Wir kaufen die notwendigen Mengen durch unseren eigenen Energiehandel sehr frühzeitig ein und sichern uns damit im Voraus ein stabiles Preisniveau."

Marcus Wittig

Wie ist es möglich, dass Sie die Preise gegen den allgemeinen Trend senken können?
Als Stadtwerk verstehen wir uns als Partner der Stadt und aller Bürgerinnen und Bürger. Die Kunden können sich auf uns verlassen. Das bedeutet, dass wir alle Kunden 365 Tage im Jahr zuverlässig und sicher mit Energie versorgen und das zu transparenten Preisen. Wir sind als mehrheitlich kommunales Unternehmen eher ein der konservativer Marktteilnehmer. Wir wirtschaften als Grundversorger mit einer besonderen Verantwortung und auf lange Sicht. Dadurch sichern wir uns Preisstabilität und sind ein Stück weit davor geschützt, wenn so etwas passiert wie derzeit.

Können Sie das auch für die Zukunft garantieren?
Es ist schwer vorherzusehen, wie sich der Markt weiterhin entwickeln wird. Durch den Atomkraft- und Kohleausstieg wird die Strom- und Wärmeerzeugung durch Erdgas zur zentralen Brückentechnologie. Wir als Stadtwerke Duisburg sind diesen Weg bereits gegangen und haben unsere Kohlekraftwerke in den vergangenen Jahren stillgelegt. Damit sparen wir nicht nur viele tausend Tonnen CO2, sondern stellen uns frühzeitig für die Zukunft auf. Aber wir als Versorger haben nur auf ein Viertel des Preises Einfluss. Der Rest, als 75 Prozent des Preises, wird staatlich bestimmt, durch Steuern, Abgaben und die sogenannten Netzentgelte für die Netzbetreiber. Welchen Preis wir alle als Verbraucher am Ende zahlen, wird also maßgeblich nicht in Duisburg, sondern vielmehr in Berlin entschieden. Um die Verbraucher nicht zu stark zu belasten, muss auch die Politik mithelfen.

"Um die Verbraucher nicht zu stark zu belasten, muss auch die Politik mithelfen."

Marcus Wittig

Macht die Politik genug, um der Entwicklung entgegenzusteuern?
Ich bin überzeugt, dass alle Verantwortlichen für dieses Thema sensibilisiert sind. Erste Schritte sind unternommen. So wird die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz mit Jahresbeginn gesenkt. Das sind zwar nur wenige Cent, die auch durch andere Entwicklungen sofort wieder aufgezehrt werden, aber so kommen wir überhaupt in die Lage, unsere Preise zu senken. Ziel muss es aus meiner Sicht sein, die Energiepreise für die Menschen stabil zu halten. Wir reden hier von Strom und Wärme, das sind Grundprodukte zum Leben. Diese dürfen nicht zu hochspekulativen Gütern werden. Bei einem Strompreis, der zu drei Vierteln durch staatliche Vorgaben reguliert ist, fehlt es der Politik jedenfalls sicherlich nicht an Steuerungsmöglichkeiten.

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